Programm

Was ist SHARE TO CARE?

Das Programm SHARE TO CARE steht für eine partnerschaftliche Arzt-Patienten-Kommunikation. Ziel ist es, Patientinnen und Patienten in Therapieentscheidungen einzubeziehen und so die Versorgung zu verbessern. Dabei arbeiten Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte eng zusammen. SHARE TO CARE ist ein Programm, das dabei hilft, Shared Decision Making (SDM), übersetzt „gemeinsame Entscheidungsfindung“, zu etablieren.

Kommunikation auf Augenhöhe

SHARE TO CARE geht auf den Wunsch vieler Patientinnen und Patienten ein, mehr Informationen über ihre Erkrankung und ihre Therapiemöglichkeiten zu erhalten sowie stärker an medizinischen Entscheidungen beteiligt zu sein. Außerdem setzt das Programm die Forderung des Patientenrechtegesetzes von 2013 nach einer gemeinsamen Entscheidungsfindung um. Nach dem Gesetz ist eine informierte Entscheidung die Voraussetzung für jede medizinische Maßnahme. Das heißt, dass die Patientin oder der Patient die möglichen Maßnahmen und ihre Vor- und Nachteile in ihrer oder seiner individuellen Situation kennen muss, um eine Entscheidung treffen zu können. In die gemeinsame Entscheidung sollen auch Wünsche und Vorstellungen der erkrankten Person mit einfließen.

Dialog auf Augenhöhe

Ärztinnen oder Ärzte und Patientinnen oder Patienten finden gemeinsam zu einer Entscheidung.

Individuell beste Behandlung

Neben den medizinischen Aspekten wird alles berücksichtigt, was den Patientinnen oder Patienten für ihre Entscheidung wirklich wichtig ist.

Bessere Versorgungsqualität

Patientinnen und Patienten entwickeln ein besseres Verständnis für ihre Erkrankung und können entscheidend zur Verbesserung ihrer Situation beitragen.

Praktische Unterstützung

Die Entscheidungshilfen sind jederzeit online verfügbar – in der Klinik, zu Hause oder unterwegs. Ideal zum Nachlesen – während und nach dem Arztgespräch.

Wie funktioniert SHARE TO CARE?

SHARE TO CARE ist ein standardisiertes Programm, das für die gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen Ärztin oder Arzt und Patientin oder Patient entwickelt worden ist. Grundlage dafür bilden vier Module: Ärzt:innentraining, Qualifizierung des Pflegepersonals, Aktivierung von Patientinnen und Patienten sowie Entscheidungshilfen für Patientinnen und Patienten.

Modul 1

Ärzt:innentraining

Teilnehmende Ärztinnen und Ärzte absolvieren ein Online-Training. Dabei vermitteln speziell ausgebildete Trainer Grundlagenwissen zu SDM anhand von Lehrbeispielen. Außerdem werden zwei reale Entscheidungsgespräche auf Video aufgezeichnet. Auf dieser Basis erhalten die Ärztinnen und Ärzte ein individuelles Feedback mit konkreten Verbesserungsvorschlägen.

Zum Ärzt:innentraining Login

Informationen zum Ärzt:innentraining
SDM in 6 Schritten
Entscheidungshilfen am UKSH

Modul 2

Qualifizierung des Pflegepersonals

Teilnehmende Pflegekräfte können eine Schulung zum Decision Coach (= Entscheidungscoach) oder zur Entscheidungsbegleitung absolvieren. Als Decision Coach unterstützen sie die Patientinnen und Patienten anhand einer Entscheidungshilfe zu einer spezifischen Fragestellung, die medizinischen Sachverhalte zu verstehen und die eigenen Vorlieben sowie Prioritäten klar benennen zu können. Als Entscheidungsbegleitung unterstützen sie die Patientinnen und Patienten anhand einer allgemeinen (generischen) Entscheidungshilfe das eigene Vorwissen zu strukturieren, Fragen zu unklaren medizinischen Sachverhalten zu formulieren sowie ebenfalls die eigenen Vorlieben und Prioritäten klar benennen zu können.

Nina und Paolo erklären hier im Film, was SDM bedeutet, wie man es als Pflegende im Alltag umsetzen kann, welche Projektbausteine am UKSH Kiel umgesetzt werden und informieren zur Qualifizierung zum Decision Coaching und zur Entscheidungsbegleitung.

SDM in 6 Schritten

Modul 3

Aktivierung von Patientinnen und Patienten

Patientinnen und Patienten werden angeleitet, sich aktiv an ihren Therapieentscheidungen zu beteiligen. Als Leitfaden für das Arzt-Patienten-Gespräch dienen „Drei Fragen“:

  • Welche Möglichkeiten habe ich? (inklusive Abwarten und Beobachten)
  • Was sind die Vorteile und Nachteile jeder dieser Möglichkeiten?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Vorteile und Nachteile bei mir auftreten?

SDM – 3-Fragen

Modul 4

Entscheidungshilfen für Patientinnen und Patienten

In den Online-Entscheidungshilfen finden Patientinnen und Patienten auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse Informationen zu ihren Handlungsmöglichkeiten: veranschaulicht durch Infografiken, Erklärfilme von Ärztinnen und Ärzten sowie Videos mit Patientenberichten. Die persönlichen Login-Daten für die Entscheidungshilfen erhalten Patienten von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt.

Im Folgenden finden Sie beispielhaft den Login-Bereich für die einzelnen Entscheidungshilfen, die Entscheidungshilfe "Was ist wichtig für eine gute Entscheidung?", eine Übersicht über die bereits produzierten Entscheidungshilfen sowie den ausführlichen Entscheidungshilfen-Report.

ZU DEN ENTSCHEIDUNGSHILFEN

"Was ist wichtig für eine gute Entscheidung?"

Übersicht Entscheidungshilfen

Entscheidungshilfen-Report

 

1. Horst F., 73 Jahre, hat die Diagnose Karotisstenose erhalten, eine Verengung der Halsschlagader. Diese Verengung wurde im Rahmen eines Routinecheckups festgestellt, obwohl er zuvor keine Beschwerden hatte.

2. Zusammen mit seinem Arzt bespricht er die Behandlungsmöglichkeiten. Es stehen mehrere Alternativen der Behandlung zur Verfügung.

3. Für Horst F. ist nur eine Frage relevant: „Welche ist die richtige Behandlung für mich?" Er stellt sich die Frage: „Soll ich Medikamente nehmen, einen Stent legen oder eine OP vornehmen lassen?“

4. Mithilfe einer Online-Entscheidungshilfe kann Horst F. sich ausführlich über die verschiedenen Behandlungsalternativen informieren. Die Login-Daten für zu Hause bekommt er von seinem Arzt ausgehändigt.

5. Zu Hause kann er nach dem Termin sein Wissen über seine Erkrankung und die Behandlungsalternativen mithilfe der Online-Entscheidungshilfe vertiefen.

6. Schritt für Schritt erhält er die wichtigsten Informationen angezeigt und anschließend in einem Dokument zusammengefasst. Wenn er möchte, kann er sich die Zusammenfassung auch ausdrucken.

7. Zum Schluss unterstützt das Programm Horst F. dabei herauszufinden, was ihm bei der Behandlung besonders wichtig ist und welche Aspekte eher zu vernachlässigen sind.

8. Im Anschluss kann er seine Überlegungen mit seinem Arzt besprechen und gemeinsam legen sie die für Horst F. passende Behandlung fest.

Shared Decision Making wissenschaftlich evaluiert

Das Programm SHARE TO CARE arbeitet nach höchsten wissenschaftlichen Standards und erfüllt die Qualitätskriterien für Entscheidungshilfen der International Patient Decision Aid Standards (IPDAS, http://ipdas.ohri.ca/). Ziel ist, eine Entscheidungsfindung auf Grundlage vorliegender wissenschaftlicher Evidenz zu ermöglichen. Um die Effekte dieses Ansatzes im deutschsprachigen Raum zu untersuchen, wird das Programm evaluiert.

Im Folgenden finden Sie eine Publikationsübersicht der an SHARE TO CARE beteiligten Expertinnen und Experten zum Herunterladen.

Publikationen SHARE TO CARE.